Was Yoga ausmacht und wie gut es im Umgang mit sich selbst und anderen tut

Blogbeitrag YW September

Yoga ist kein Sport. Das dürfte inzwischen fast überall angekommen sein. Viele Menschen gelangen zwar über die Körperübungen (Asanas) zum Yoga, aber die indische, philosophische Lehre hat mehr drauf als ein paar Verbiegungen.

Was kann Yoga alles?

Yoga bringt dir das, was du zulässt.
Es gibt kein einheitliches Yoga. Die Stile sind mittlerweile so vielfältig, dass ich selbst beinahe den Überblick verloren habe. Dazu kommt, dass die Yogastile mehr und mehr vorgeblich der westlichen Bevölkerung angepasst werden, um den körperlichen und geistigen Beschwerden entgegen zu wirken. Das Wichtigste ist letztlich, dass du den Stil findest, der zu dir passt, dir gut tut und dir in deinem Leben mehr Leichtigkeit und Zufriedenheit und weniger Leid auf allen Ebenen bringt. Zu einem ganzheitlichen Yoga gehört, die Yoga-Philosophie in das tägliche Leben zu integrieren, einen gesunden Lebensstil zu führen, Körper- und Atemübungen zu praktizieren, Entspannungsübungen zu integrieren, zu reflektieren und meditieren. Und wer einen Zugang zu Mantras (heilige Silben) findet, profitiert zudem von ihren starken positiven Wirkungen.

Wie es mit der Philosophie aussieht

Yoga ist eines der sechs alten Denksysteme der indischen Philosophie, der Darshana, die allesamt existentielle Fragen formulieren und sich dabei auf die Veden– altindische, sogenannte „heilige“ Schriften – beziehen. Die Upanishaden, ein Teil der Veden, gelten als älteste Textquelle des Yoga.
Yoga ist zeitlos. Denn, so fremd es klingen mag, die Menschen vor vielen Tausend Jahren hatten ähnliche Sorgen wie wir heute. Auch sie empfanden die Trennung von Körper und Geist als schmerzhaft und wollten sie überwinden.
Wenn wir aktuell nach außen blicken, gibt es Grund genug, in uns zu gehen, um nach Lösungen für die Zukunft zu suchen. Die Yogaphilosophie ist ein großes, spannendes Gebiet. Oft hält sie wichtige Antworten parat, manchmal liefert sie Markierungen für unseren Weg, hier und da ist auch Kopfschütteln über unsere Vorfahren.
Der weise Yogi Patanjali hat mit der Yoga-Sutra den entscheidenden Leitfaden für die Yoga-Philosophie geliefert („Sutra“ heißt übersetzt Faden). Als Sutra wird sowohl der ganze Text als auch jeder einzelne Vers bezeichnet. Die Sutra datieren vermutlich zurück auf 400 bis 200 v. Christus. Patanjali hat es geschafft, das alte Wissen so zu systematisieren, dass es gebündelt seinen Weg bis ins 21. Jahrtausend gehen konnte und bis heute das maßgebliche Werk des Yoga ist.
Als besonders relevant empfinde ich den achtgliedrigen Pfad. Er besteht aus 8 Stationen, die beim Yoga nacheinander oder gleichlaufend gemeistert werden.

Der achtgliedrige Pfad und die wichtigsten Begriffe
1. Yama: Unsere Haltung gegenüber unserer Umgebung/Umwelt
2. Niyama: Unsere Haltung gegenüber uns selbst
3. Asana: Die Praxis der Körperübungen
4. Pranayama: Die Praxis der Atemübungen
5. Pratyahara: Das Nach-Innen-Ziehen der Sinne
6. Dharana: Konzentration
7. Dhyana: Meditation
8. Samadhi: Die vollkommene Erkenntnis

Yoga kann nicht auf einzelne der oben genannten Punkte simplifiziert werden. Als ich mit Yoga begonnen habe, tauchte ich zunächst in die Welt der Körper- und Atemübungen ein. Die Meditation kam hinzu, es folgte die Auseinandersetzung mit mir selbst und meiner Umwelt. Wie wir anfangen, ist nicht relevant. Du kannst auch über die Meditation zum ganzheitlichen Yoga kommen. Dein Weg ist sehr individuell, so wie du selbst eigen bist. Das wichtigste überhaupt scheint mir ist: Anfangen und dranbleiben!

Meine Erfahrung hat gezeigt, dass wir auf dem Yogaweg stets die richtigen Impulse zum genau richtigen Zeitpunkt erhalten. Da ist ein Vertrauen, dass Yoga uns das lehrt, was wir in dem Moment brauchen, um in die Balance zurück zu finden oder in Balance zu bleiben.
Während meiner ersten Yogalehrer-Ausbildung war es der Kopfstand, der mir einen enormen Schwung und viel Selbstvertrauen gab. Ihm habe ich es mit zu verdanken, dass ich mich traute, meinen Job bei der Bank zu kündigen. Mein neues Yogaleben fühlt sich bis heute sehr gut an und ich habe den Wechsel nie bereut.

Wie Yoga den Umgang mit sich selbst bereichert

Yoga ist für mich und viele andere Menschen eine hilfreiche Unterstützung, für die ich sehr dankbar bin. Yoga ist mein Anker, der mich im Alltag mit Familie, Freunden, Umwelt und Beruf ins Gleichgewicht bringt. Auch oder gerade Yogalehrer laufen Gefahr, sich auszubeuten, um anderen Menschen helfen zu können. Sie vergessen sich selbst oft dabei. Ich finde, dass ich meinen Beruf mit kleinen Ausnahmen immer recht ausgewogen umgesetzt habe. In meinem Umfeld beobachte ich jedoch immer wieder Yogalehrer, die ausgezehrt sind und ihre Studios sogar schließen und sich wieder anderen Berufen zuwenden. Dabei haben wir Yogalehrer doch die allerbesten Tools an der Hand, ein Leben in Glück, Gesundheit und Zufriedenheit zu führen. Das hat mich dazu bewogen, Yogalehrer dabei zu unterstützen, ihr Business so aufzubauen, dass sie in ihrer Kraft und Freude bleiben. Das nur am Rande. Nun mal ganz konkret: Was bringt Yoga und wie bereichert es uns?

Inner Peace Yoga Blogbeitrag

Wir kennen es doch alle: Das kleine Tief am Morgen, Antriebslosigkeit, eine gewisse Unruhe, Einschlafprobleme u.v.m. In schwerwiegenden Lebenssituationen kann es sogar zu erheblichen körperlichen oder geistigen Beschwerden kommen. In dem Moment mit Yoga zu beginnen, ist nicht der günstigste Zeitpunkt, aber natürlich besser als gar nicht. Beginne mit dem Yoga wenn möglich in guten Zeiten und integriere die Übungen in deinen Alltag, damit du in herausfordernden Zeiten darauf zugreifen kannst. Du hast es dann bereits verinnerlicht und führst es lediglich aus. Yoga gibt dir eine Struktur, mehr Halt und Zuversicht sowie nebenbei einen fitten Körper.
Mit einer klaren Intention während der Yogapraxis erzielst du die besten Erfolge. Wenn dein Rücken sich schmerzhaft zeigt, lasse dir von einer Yogatherapeutin körperliche und geistige Übungen zeigen, die du regelmäßig ausführst; explizit abgestimmt auf deine Beschwerden. Bitte deine Yogalehrerin um Tipps, was du bei deiner Lebensführung verbessern kannst. Dies setzt voraus, dass ihr gemeinsam eine ausführliche Bestandsanalyse durchführt. Sei fokussiert auf das, was sich gerade bei dir zeigt und öffne dich für Veränderungen.

Bist du bereit dafür? Die Bereitschaft für Veränderungen und die tägliche Yogapraxis können dein Leben grundlegend formen. Hin zu mehr Wohlbefinden, Glück, Zufriedenheit und körperliche Fitness. Übe nicht einfach irgendeine Sequenz oder Meditation ohne einen Fokus auf das zur richten, was du erzielen möchtest. Eine Entspannungseinheit bringt dich vielleicht mehr in die Ruhe, aber auf Dauer stellt dies lediglich einen Konsum dar. Du konsumierst Yoga, entspannst dich und nach einem Tag ist alles wieder wie vorher. Ich wünsche dir, dass du dich für echte Entwicklung und Veränderung öffnen kannst.

Tipps für eine erfüllte Yoga-Praxis

Definiere eine klare Absicht
Nimm deine aktuelle Verfassung wahr und mache eine Bestandsanalyse, was du gerade auf körperlicher, geistiger und emotionaler Ebene brauchst. Gestalte dein Yogapraxis realistisch. Fordere dich, aber überfordere dich nicht!

Dein Termin mit dir selbst

Es reicht nicht aus, sich vorzunehmen, jeden Tag Yoga zu machen. Bei dem Vorsatz bleibt es meistens. Nimm dir konkret vor, an welchen Tagen du Yoga üben willst, zu welcher Tageszeit und wie lange. Mir hilft es, dafür einen festen Platz zu haben, an dem ich mich wohlfühle. Zünde eine Kerze an, mach es dir gemütlich und schenke dir selbst Zeit mit dir! Das Gefühl am Ende deiner Sequenz wird dich motivieren, am nächsten Tag wieder zu üben.

Achtsames und abwechslungsreiches Üben

Je achtsamer und bewusster du übst, desto tiefer sind die Wirkungen. Wenn du unsicher bist bei der Ausführung der Asanas (Yogahaltungen) oder beim Meditieren Fragen und Hindernisse auftauchen, wende dich an einen Yogalehrer, der dir helfen kann. Beobachte stets deine Bewegungs- und Atemmuster und sei offen für Anpassungen! Nach einer gewissen Zeit, wenn du deinen Übungsplan verinnerlicht hast, werde offen für neue Impulse und öffne dich für mehr Abwechslung. Dies hält deine Yogapraxis lebendig. Übe nicht nur das, was dir Freude bereitet, sondern setze dich auch mit Techniken auseinander, die dir schwerfallen.
Herausforderungen annehmen
Bleibe nicht in der Komfortzone und nimm die Herausforderung an, Neues zu lernen und zu kultivieren. Unsere innere Trägheit hindert uns manchmal daran, neue Dinge auszuprobieren. Überwinde deinen trägen Geist und suche achtsam Herausforderungen. Eine stetige Weiterentwicklung auf körperlicher und/oder geistiger Ebene sollte deine Absicht sein.

Mit Freude üben

Stoisch Yoga zu üben und dabei mit dem Geist ganz woanders zu sein, das kennen wir alle. Auch das darf mal sein. Die Yogapraxis fühlt sich nicht immer gleich an und variiert von Tag zu Tag und auch innerhalb der Tageszeiten. Versuche dennoch immer wieder aufs Neue mit Leichtigkeit und Freude zu praktizieren. Die lockere, innere Ausrichtung entscheidet darüber, wie motiviert du bist. Kreiere Ziele, ohne Erwartungen zu haben. Lass es geschehen, gib die Kontrolle ab und vertraue darauf, dass du genau das Richtige tust!

Einen Aufruf an alle Yogalehrer habe ich noch: 

Unser Part als Yogalehrer sollte eigentlich die Arbeit für einen ‚Gesunden Körper und ruhigen Geist‘ sein, der sich nicht von Außen treiben lässt. Seid Vorbild! Sagt euren Schülern,  dass die eigene kleine tägliche Praxis vollkommen ausreicht, mit den Herausforderungen dieser Zeit Schritt zu halten.

Atem- und Lockerungs-Übungen, sinnvolle Asana-Sequenzen, dazu passend Mantras, Mudras, Achtsamkeitsübungen, Tiefenentspannung, Meditationen, Affirmationen – einfach die ganze Bandbreite an jahrtausendlangen erprobten yogischen Techniken ohne diesen Extra-Firlefanz. Es muss nicht das fette Yoga-Retreat auf Bali sein, welches dich zurück zu dir bringt. Wir Yogalehrer sind mehr denn je gefordert, solide und unprätentiöse Arbeit zu leisten. Nicht mehr und nicht weniger.

Alle Probleme unserer Zeit sind menschengemacht, auf die wir Einfluss haben. Wir haben die Kraft und Macht, diese wieder zu korrigieren – wenn wir wollen und uns dessen bewusst sind. Mit Yoga und Meditation können wir unsere inneren Kräfte anzapfen, dann können wir das schaffen. Wir Menschen sind Anpassungskünstler, deshalb werden wir natürlich auch bestehen können. Und wenn wir noch ein wenig solidarisch mit Nachbarn und Freunden sind, uns gegenseitig eine Hand reichen, werden wir mehr Schwierigkeiten überstehen können, als wir uns momentan ausmalen wollen.

Ich bin optimistisch und  vertraue auf ein Universum der Fülle und meine/unsere Anpassungsfähigkeit. Und dafür mache ich jeden Morgen ohne Ausnahme meine Atem- und Meditationsübungen, praktiziere meine Asana-Reihe für bestimmte Körperregionen und entspanne mich am Ende. Alles abgestimmt an meine Tagesform und meiner Intention.

Ich hoffe, ich konnte dich mit diesem Blog-Beitrag inspirieren. Wenn du Fragen hast, melde dich gerne bei mir. Ich freue mich, wenn du mir ein Feedback gibst und erzählst, wie du deine Yoga-Praxis aktuell erlebst und was deine Ziele sind.

Alles Liebe,
Julia Backhaus

Über mich

ausgebildet als Yogalehrerin (BYV), Ayur Yogatherapeutin nach Remo Rittiner, Thaiyoga- und Shiatsu- Masseurin, Dozentin, Buchautorin.

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Diese Übungen haben schon vielen meiner Teilnehmer geholfen, mehr Gelassenheit und Entspannung zu erfahren.